Modafinil und Schwangerschaft: Das Narkolepsie-Netzwerk fragt nach

Der Rote Hand Brief bzgl. Modafinil und dem möglichen Risiko von angeborenen Fehlbildungen hat für Unruhe gesorgt. (Wir bieten Ihnen am Ende der Seite den Brief zum Download an.) Das Narkolepsie-Netzwerk hat bei einem führenden Schlafmediziner nachgefragt.

Dr. Ulf Kallweit, Leiter Klinische Schlaf- und Neuroimmunologie und an der Hochschulambulanz für Narkolepsie, Universität Witten/Herdecke, erforscht schon seit Jahren mögliche Auswirkungen von Narkolepsie auf die Schwangerschaft.

Wir verweisen bei dieser Gelegenheit auch auf die aktuelle Studie zu „Narkolepsie und Schwangerschaft“ an der Universität Witten/Herdecke.


Narkolepsie-Netzwerk: 
Dr. Kallweit, das BfArm (Bundesinsitut für Arzneimittel und Medizinprodukte) hat aktuell eine Warnung bzgl. eines möglichen Risikos schwerer angeborener Fehlbildungen unter einer Therapie mit Modafinil in der Schwangerschaft ausgesprochen. Wie beurteilen Sie dies?

Dr. Kallweit:
Diese Nachricht war überraschend. Modafinil wird seit über 20 Jahren weltweit eingesetzt. Es gab zuvor keine neuen Studien oder Veröffentlichungen, die auf diesen möglichen Zusammenhang hingewiesen haben. Das BfArm bezieht sich auf ein US-amerikanisches Schwangerschaftsregister und einzelne Spontanmeldungen, die auf einen potentiellen Zusammenhang hinweisen. Es ist ungewöhnlich, dass nur das BfArm warnt, es aber keinen aktuellen Warnhinweis seitens der US-amerikanischen oder europäischen Behörden gibt. 

Narkolepsie-Netzwerk: 
Wie sicher ist denn der Zusammenhang? Worauf basieren diese Informationen? 

Dr. Kallweit: 
Der Zusammenhang zwischen Modafinil und Fehlbildungen ist nicht gesichert, wird aber seitens des BfArms als „möglich“ beurteilt. ​Ich glaube, dass es wichtig sein wird, erst einmal die Informationen, die das BfArm aktuell dazu bewegt haben, diesen besonderen Warnhinweis auszusprechen zu kennen und zu verstehen. Wir bemühen uns aktuell intensiv darum. 

Narkolepsie-Netzwerk: 
Hat dieser Warnhinweis direkte Auswirkungen auf Betroffene, die Modafinil einnehmen ? 

Dr. Kallweit: 
Der aktuelle Warnhinweis muss natürlich ernst genommen werden. Bereits bisher aber schon lautete die Empfehlung, Modafinil nicht in der Schwangerschaft einzunehmen. Auch wurde schon bisher auf die Notwendigkeit der Verhütung hingewiesen und darüber, dass Modafinil die Wirksamkeit oraler Kontrazeptiva beeinträchtigen kann und daher alternative oder zusätzliche sichere Verhütungsmethoden erforderlich sind. Der aktuelle Warnhinweis bestärkt diese Hinweise und führt dazu, dass alle Ärzte, die Modafinil verordnen, unbedingt über diese Risiken aufklären und die Patientinnen entsprechend beraten müssen. 

Narkolepsie-Netzwerk: 
Was können angehende Eltern oder Paare mit Kinderwunsch tun?

Dr. Kallweit: 
Erster Ansprechpartner dafür sollte der behandelnde Neurologe bzw. Narkolepsie-Spezialist sein. Leider gibt es immer noch zu wenige Informationen zu diesem wichtigen Thema. Dieser Warnhinweis zeigt auch noch einmal deutlich, dass das Thema Schwangerschaft bei Narkolepsie bisher viel zu wenig beachtet wurde. Unser Zentrum hat das Thema Kinderwunsch / Schwangerschaft als eines unserer Schwerpunktthemen ausgewiesen und  wir  arbeiten  intensiv daran, hierzu neue Daten und Empfehlungen generieren zu können. ​Wir werden demnächst eine spezielle Sprechstunde bzw. Angebot zu diesem Thema machen können. 


Rote Hand Brief zu Modafinil vom 09.05.19
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