Das Narkolepsie-Netzwerk vertritt seit Ende 2020 als Patientenorganisation die deutschen Betroffenen in der Europäischen Narkolepsie Allianz für Patienten/ European Narcolepsy Alliance for Patients (E.N.A.P.).
Norbert Schmidt ist als Delegierter des NaNe dabei. Sein besonderes Interesse wird auf der Vertretung der Interessen von Narkolepsie betroffenen Kindern und Jugendlichen liegen.
Insgesamt beteiligen sich derzeit 13 Patientenorganisationen aus 12 Ländern Europas an der E.N.A.P.
Heute erzähle ich Euch von meinem Assistenzhundetraining gestern. Jutta, meine Trainerin kam zu uns in den Ort und brachte Ihre 2 eigenen Hunde Vinia und Lenny mit.
Weil ich vor ein paar Wochen einen überraschenden Zusammenstoß mit einem Schäferhund hatte, bin ich jetzt etwas vorsichtig, wenn ich andere Hunde treffe. Mir ist zwar körperlich nichts passiert, als ich „zusammenstieß“, aber nun ist mir immer etwas arg mulmig, wenn ich andere Hunde treffe, die nicht sofort begeistert zeigen, dass sie sich freuen, mich zu sehen. Wenn die dann auch noch bellen, grusel`ich mich ein wenig, bin mir nicht sicher, ob ich da vorbei gehen kann und schaue immer weg.
Deswegen waren Juttas Hunde dabei, damit ich mich wieder etwas wohlfühlen lerne. Aber mit den beiden gab es gar kein Problem. Ich fand sie supertoll, vielleicht, weil die sich auch freuten und gleich mit mir spielen wollten.
Natürlich haben wir auch ganz viel trainiert und das war ganz schön schwer, denn viel lieber hätte ich natürlich mit meinen neuen Freunden weitergespielt.
Da zeigte sich dann auch noch eine meiner „Baustellen“: In geschlossenen Räumen und an der Leine funktionieren alle Dinge, die ich können soll, meistens prima. Aber wenn ich abgeleint bin, trödele ich mal hier hin und mal da hin. Es sehen ja auch noch viele Dinge so toll aus und riechen noch viel besser.
Weil das so ist, bekomme ich dann aber gar nicht mit, wenn Katrin umfällt oder im automatischen Verhalten einfach weitermarschiert. Das muss ich noch lernen. Ich bin zwar nicht dauernd im Dienst, aber es wäre ja gar nicht schlecht, wenn ich auch dann weiß, was ich zutun habe, wenn ich gerade nicht offiziell mit meiner Freundin unterwegs bin. Aber das bekomme ich natürlich bestimmt auch noch hin.
Auf dem nächsten Foto seht Ihr, wie toll ich Katrin schützen und beruhigen kann, wenn sie im Haus eine Kataplexie hat (war aber nur Training 😉 )
So, jetzt wollen wir uns noch eine Gassirunde gönnen. Nächste Woche stehen viele Termine an, ich bin gespannt, was ich dann zu berichten habe.
Bis dahin lasst es Euch gut gehen und ich hoffe, Ihr seid nächstes Mal wieder dabei.
Mögt Ihr die Hitze auch nicht? Ich jedenfalls finde sie ziemlich grauenhaft. Aber ich trage ja auch einen Pelz. Da denke ich häufig nur: „Besser nicht bewegen!“ Aber hecheln hilft! Ich kann das sogar in jeder Lautstärke 😉
Könnt Ihr es sehen? Mein kleiner Freund von nebenan, der denkt, dass alle Hunde Nane heißen, will mich etwas abkühlen. Aber er hat es noch nicht so mit dem Zielen 😉
Ich wollte Euch heute ja erzählen, welche Möglichkeit es zur Assitenzhundeausbildung neben der von mir auch noch gibt.
Sie nennt sich „Fremdausbildung“.
Dies bedeutet, dass einer meiner Hundekumpel, die sich schon als Welpen für besonders geeignet zeigen, später mal ein toller Helferhund zu werden, gleich nachdem sie alt genug sind, von ihrer Mama wegzuziehen, zu jemandem kommen, der sich mit der Ausbildung von Assistenzhunden auskennt und dies als Beruf ausübt.
Dort wird dann alles gelernt, was es zu lernen gibt (und auch das dauert wirklich ganz schön lange) und sobald meine Kumpel oder Kumpelinen soweit sind, dass sie wissen, wie sie helfen können, treffen sie dann den Menschen, bei dem sie in Zukunft leben und helfen. Das muss natürlich passen, aber häufig ist der Helferhund ja schon vorher extra für seinen Menschen ausgewählt worden.
Dann werden die beiden ein Team und lernen noch ein bisschen zusammen, damit sie auch perfekt aufeinander eingespielt sind.
Darauf folgt dann, wenn sich herausgestellt hat, dass alles passt, die Prüfung.
So eine Fremdausbildung ist natürlich etwas Feines, weil der Mensch, der meine Freunde ausbildet, nicht durch seinen Körper eingeschränkt ist, wenn der mal nicht möchte. sowie das bei den Menschen der Fall ist, bei denen meine Hundefreunde sowie ich es eben bei Katrin mache, dann helfen.
Deswegen können diese dann auch häufiger und intensiver mit den angehenden Helferhunden trainieren. Der Nachteil dabei ist natürlich, dass es viel mehr kostet, wenn die Assistenzhundetrainer mit uns Azubis dauernd trainieren können und dass leider die Kosten für unsere Ausbildung meistens nicht von den Krankenkassen übernommen werden. Eine Ausnahme stellen da diejenigen dar, die in Zukunft Menschen, die nichts sehen können, den Weg zeigen. Das ist ja auch ganz ganz wichtig. und es ist toll, dass da Krankenkassen helfen.
Traurig ist es trotzdem, dass egal, ob wir Assistenzhunde in Fremd- oder eben in Selbstausbildung trainiert werden, dass immer noch nicht gesehen wird, wie wichtig wir auch für Menschen wie meine Freundin am Ende der Leine sind, denen man eben nicht sofort ansieht, dass sie so krank sind, dass sie ohne uns nicht vor die Tür gehen können, da sie sonst in permanenter Gefahr sind.
Aber auch Katrin und ich können immer nur dann neue Dinge trainieren, wenn wir Unterstützung von Jutta vom „Ausbildungszentrum für helfende Hunde (https://www.helfendehunde.de/ ) bekommen. Aber da müssen wir dann ordentlich sparen, um für die Hilfe auch bezahlen zu können.
Da Katrin jedoch gar nicht arbeiten kann und auch noch nie konnte, dauert es immer ein Weilchen, bis wir alles zusammengekratzt haben oder uns jemand mal einen Ausbildungstag schenkt. (Und wenn Ihr wüsstest, was ich alles so vertilge. Ich liebe essen ! Genau, das muss nämlich auch bezahlt werden. Manchmal klaue ich aber auch schon mal was was so herumliegt… Auch wenn ich das gar nicht darf 😉 )
Deswegen hoffe ich wirklich, dass sich da bald mal etwas ändert und die Krankenkassen, die dafür bezahlen müssten, weil ich ja offiziell ein „Hilfsmittel“ bin, dies auch tun. Denn die verstehen gar nicht, dass es für sie viel teurer wird, wenn den Menschen, denen meine Freunde und ich helfen könnten, dauernd etwas zustößt.
Jetzt gehe ich auf meinen Balkon neben Katrins Bett und schlafe eine Runde. Es ist nämlich gerade dunkel und dann so schön kühl dort.
Löcher finde ich voll toll. Da ist es auch gar nicht so heiß. Aber ich darf nur in die schauen, die schon da sind. Sehr schade eigentlich !
So, jetzt habe ich mich von der Hitze erholt und kann Euch etwas erzählen.
Heute möchte ich damit anfangen, über die Möglichlichkeiten zur Ausbildung von Assistenzhunden zu schreiben.
Katrin bildet mich selbst mit Hilfe von Jutta Schleehauf, der Trainerin des Assistenzhundezentrums „Helfende Hunde“ aus.
Nachdem ich aus meinem ersten Zuhause bei meiner Züchterin Brunhilt Wendel zu Katrin kam, sollte ich eigentlich, sobald ich mich bei ihr wohlfühle und wir beiden uns kennengelernt haben, anfangen, meine neuen Aufgaben zu lernen.
Dummerweise bin ich, wie Ihr wisst, dann erstmal für einen Monat von der Bildfläche verschwunden, habe ein paar Abenteuer in der Schwäbischen Alb erlebt und war dann irgendwann heilfroh, als mich jemand gefunden hat.
Inzwischen hatte ich aber viel erlebt und das muss ja auch erstmal verdaut werden. Nach ein paar Monaten war ich wieder die Alte und wir begannen mit dem Training mit Jutta. Die Art, wie ich trainiert werde, nennt man „Selbstausbildung„.
Jedesmal, wenn wir einen Termin haben, erarbeitet Jutta mit uns ein neues Programm zum Trainieren oder versucht, uns Hilfestellungen zu geben, wenn etwas nicht klappt.
Da hängt es natürlich auch davon ab, wie es Katrin geht und ob sie mit mir viel üben konnte, ob ich gerade eine gute oder nicht so gute Trainingslaune habe…. Ihr wisst schon. Da kann das Ganze sich zeitlich schon mal ganz schön hinziehen, bis bei mir alles „sitzt“.
Jutta hatte schon meine Vorgängerin „Schneewittchen“ für Katrin trainiert. Das hat toll geklappt, aber leider konnte Schneewi dann doch nicht geprüft werden und so kam ich ins Spiel.
Meine Freundin Schneewittchen und ich
Bei der Selbstausbildung ist also der zukünftige Assistenzhund von Beginn an bei seinem zukünftigen „Arbeitgeber“. Das ist besonders von Vorteil, wenn man so eine Erkrankung wie Katrin hat. Die Narkolepsie zeigt sich nämlich häufig bei betroffenen Person etwas verschieden und so konnte ich gleich zu Beginn alle Besonderheiten mitbekommen.
Nächstes Mal erzähle ich Euch, wie andere Kumpel von mir trainiert werden. Da ist es nämlich ein bisschen anders.
Lasst Euch nicht von der Hitze unterkriegen! Ich freue mich auf Euch
Heute möchte ich Euch etwas über meine Erfahrungen im Krankenhaus berichten. Denn wenn meine Freundin bei ihrem Schlafmediziner in die Uniklinik einen Termin hat, dann muss ich sie natürlich auch auf den Weg dorthin und während ihres Aufenthaltes begleiten.
Da war ich das erste Mal dabei
Leider ist es meistens so, dass Hunde auf dem Gelände von Kliniken und Krankenhäusern keinen Zutritt haben, da dort natürlich besondere Sauberkeits- und Benimmregeln eingehalten werden müssen und viele meiner Hundekollegen ohne Ausbildung zum Helferjob vielleicht doch nicht ganz so viel geschrubbt und saubergemacht werden und auch nicht soviel geübt haben wie ich. Dafür haben sie sicher einen anderen Spaß.
Aber ich möchte nun mal auf Katrin aufpassen.
Also gehe ich mit. Am Anfang war es so, dass ich das Klinikgelände, auf dem ich jetzt immer dabei sein darf, nicht betreten durfte. Das liegt sicherlich auch daran, dass wir ausgebildeten Assistenzhunde noch nicht überall so bekannt sind.
Blindenführhunde kennt jeder, aber gerade bei Krankheiten, die man nicht auf Anhieb sieht, wie Narkolepsie, Epilepsie, Diabetes oder auch psychische Krankheiten, weil den Menschen etwas ganz Schlimmes passiert ist, hat es sich noch gar nicht so herumgesprochen, dass dafür Assistenzhunde ausgebildet werden.
Für meine Freundin am Ende der Leine ist der Weg von zuhause bis zu ihrem Arzt aber sehr lang, allein würde sie das gar nicht schaffen.
Dann kommt dazu, dass das Gelände des Klinikums sehr groß ist und früher wuselte sie dort allein herum, verlief sich, konnte sich nicht mehr auf den Weg nach draußen konzentrieren, wurde müde, verlief sich wieder und ist dann dort eingeschlafen, wo sie gerade war.
Mit mir passiert ihr das nicht. Ich merke, wenn sie sich nicht mehr richtig konzentrieren kann, weil sie dann komische Sachen macht oder wenn ihr Kopf schon schläft und sie dann gar nicht mitbekommt, dass sie nicht mehr richtig aufpasst.
Natürlich kann man auch sagen, dass es doch besser wäre, wenn Katrin zu einem Doktor in der Nähe von zuhause gehen würde. Sie möchte aber nur zu diesem Schlafarzt, weil er ihr bisher am Meisten geholfen hat, viel Ahnung von ihrer Krankheit hat und sie sich mit ihm am besten versteht. Dort fühlt sie sich toll aufgehoben, sie darf fragen, was immer sie über ihre Krankheit wissen möchte und man nimmt sie immer ernst.
Dass ich jetzt mit in die Klinik darf, habe ich dem Einsatz von einer engagierten netten Dame, die dort in der neurologischen Abteilung beschäftigt ist, zu verdanken. Sie hat nämlich schon etwas mehr Ahnung von Assistenzhunden gehabt und konnte nicht verstehen, warum ich meine Freundin nicht begleiten solle. Deshalb hat sie sehr gekämpft, damit ich die Erlaubnis bekomme, hat diejenigen, die entscheiden, mit Informationen versorgt und immer wieder nachgefragt, ob ich Katrin begleiten dürfte, damit ihr nichts passiert.
Und- was soll ich sagen, es hat geklappt!
Jetzt wissen die Menschen, die dort arbeiten, viel besser bescheid, was Assistenzhunde sind, wie wir unsere Menschen unterstützen und dass wir eben nicht „nur so“ dabei sind. Damit wurde auch Katrin besonders viel erleichtert, weil sie immer Angst hat, dass sie ganz viel erklären muss, die Menschen sie nicht verstehen und sie irgendwann zu müde ist, um etwas zu sagen.
Ich darf nun offiziell als Begleitung mitkommen! Dass sich jemand so dafür einsetzt, dass ich dabei sein darf, ist nicht selbstverständlich.
Als ich das letzte Mal zu einem Termin mit dem Doktor von Katrin mit in der Klinik war, hat er sich sogar mit uns rausgesetzt, weil das Zimmer, in welchem wir sonst zu ihm gekommen wären, so klein war.
So war ich an der frischen Luft und wir hatten ganz viel Platz. Das war großartig.
Was Assistenzhunde und den Zutritt zu Krankenhäusern und Arztpraxen angeht…. Eigentlich gibt es da sowieso kein wirkliches Problem:
Die Deutsche Krankenhaus Gesellschaft (DKG) sagt zum Thema Assistenzhund: “…dass aus hygienischer Sicht in der Regel keine Einwände gegen die Mitnahme von Blindenführhunden (und anderen Assistenzhunden) in Praxis und Krankenhausräume bestehen.” Auch dem Robert-Koch-Institut (RKI) sind in mehr als 16 Jahren niemals Berichte übermittelt oder sonst bekannt geworden, wonach Blindenführ- oder andere Assistenzhunde in Krankenhäusern auf Patienten oder Personal Krankheitserreger übertragen haben. https://www.pfotenpiloten.org/gesetze/
Ich bedanke mich auch im Namen von Katrin sehr bei Sandra Bihn von der Uniklinik Mainz, die meine Begleitung von Katrin überhaupt möglich gemacht hat, weil sie nicht aufgegeben hat, sich für uns einzusetzen und den Weg für andere Menschen, die Hilfe von uns Assistenzhunden brauchen, in der Klinik geebnet hat.
Danke auch an PD Dr. Yaroslav Winter, der Katrin immer hilft und auch von Anfang an verstanden hat, wieso sie mich braucht und dafür sorgte, dass ich bei ihr sein kann, um das Helfen zu lernen.
Natürlich auch ein ganz großes „Danke schön“ an diejenigen, die entscheiden dürfen und entschieden haben, dass ich das Gelände und die Klinik betreten darf.
Wenn wir jetzt irgendwo einen anderen Termin haben und ich nicht mit hinein darf, kann Katrin immer sagen, dass ich aber im Uniklinikum in Mainz willkommen bin und warum das da geht und nicht dort. Dann klappt es meistens. 🙂
Ich wünsche Euch eine schöne Zeit !
Nächste Woche erzähle ich weiter und freue mich, dass Ihr diesmal wieder dabei wart.
Heute möchte ich Euch wieder etwas zum Thema „unterwegs“ erzählen. Ich finde es nämlich wirklich prima, wenn meine Freundin am Ende der Leine und ich mit dem Bus oder einer Bahn irgendwo hinfahren. Ich bin schon immer gerne „transportiert“ worden und habe niemals Angst gehabt.
Wenn ich mich immer davor gruseln würde, in irgendwelche Fahrzeuge, die uns von einem zum anderen Ort bringen, einzusteigen und mitzufahren, könnte ich Katrin nicht begleiten und auch später nicht meine Arbeit als Assistenzhündin verrichten, denn ich muß ja dann auf sie aufpassen und nicht sie auf mich.
Am tollsten ist es, wenn wir mit dem Zug fahren. Die Leute, die herumgehen und kontrollieren, zeigen nahezu immer viel Verständnis für Katrins Situation.
Das ist gut für meine Freundin, denn wenn sie immer erklären müsste, warum ich dabei bin und dass sie mich ganz dringend braucht, weil ihr sonst etwas passieren kann, dann würde dies bedeuten, dass jede Fahrt für sie wesentlich anstrengender ist.
Wenn sie schon müde ist, sackt sie manchmal zusammen oder ihr Kopf wackelt, weil sie das so aufregt, wenn sie versucht, den Menschen klar zu machen, warum sie mich braucht und dann auch noch jemand schimpft. Dann klingt sie auch ganz komisch und keiner versteht sie. Das sind dann Kataplexien, ein Symptom Ihrer Erkrankung.
Da ist es toll, dass die Menschen, die in dem Zug arbeiten, meistens nur lächeln, wenn sie mich sehen. Manchmal machen sie auch ein Foto von mir und manchmal dürfen wir auch eins von ihnen mit mir machen, wenn sie fragen, ob sie mich streicheln dürfen und ich dann mit ihnen loskuschele.
Bedauerlich ist nur, dass ich mich nie so breit hinlegen darf, wie ich möchte, weil dann immer etwas von meinem Körper im Gang liegt.
Da dies häufig mein Schwanz ist, haben meine Freundin und ich schon früh angefangen, etwas zu üben, das sie „rückwärts einparken“ nennt.
Durch das Training gelingt mir das nun perfekt: wenn wir irgendwo sitzen müssen, wo nur wenig Platz ist, drehe ich mich immer um, und gehe mit mit dem Hinterteil voran soweit zurück, bis es gar nicht mehr geht. So störe ich dann auch niemanden, der an uns vorbei muss.
Häufig ist genau das eine Kritik, die geäußert wird, wenn es darum geht, dass ich überall dabei bin: Der Hund könnte jemanden stören. Das war aber nie der Fall, weil sich noch nie jemand über mich beschwert hat.
Ich sehe fast klein aus, oder? 😉
So, genug für heute, nächste Woche geht es weiter.
Heute wollte ich ja eigentlich weiter etwas zu meinem Training, wie ich meine Freundin am Ende der Leine daran hindere, gefährliche Dinge zu tun, schreiben.
Aber weil ich so einiges erlebt habe, verschiebe ich das etwas nach hinten. Ich war inzwischen ganz besonders viel in der Gegend unterwegs, mit der Bahn, in Airbnb´- Unterkünften, Hotels,… . Und ich bin immer wieder überrascht, wie viele Leute mich zwar ansprechen, dass ich „So eine Hübsche!“ sei, aber dann nicht merken, dass Katrin mich sehr braucht.
Wir waren jetzt sogar in einem Hotel in Mainz, das besonders sozial eingestellt ist, auch Behinderte gerne anstellt, aber trotzdem respektierten sie nicht, dass ich als Haustier-Hund da war, sondern als Hilfe für meine Freundin, weil sie dringend auf mich angewiesen ist. Das hat sie sogar schriftlich von ihrem tollen Schlafmediziner der Uniklinik Mainz, der wirklich Ahnung hat, dass sie ohne mich in Gefahr geraten kann…
Aber egal wie… ich musste bezahlen… Manchmal bin ich ja sowas wie ein Hilfsmittel. Hätte meine Freundin auch für ihren Rollstuhl einen Extra- Betrag bezahlen müssen?
Und überhaupt, wenn ich schon ein „Haustierhund“ sein soll, wäre dann nicht ein Wassernapf für das Zimmer angebracht??? Ich belle nie, ich mache nichts kaputt.
Gut, wenn das Winter- oder Sommerfell bei mir herunterfällt, damit ich nicht zu sehr schwitze oder friere, dann verteile ich meine Haare durchaus überall. (2x im Jahr!!! Und das neue Fell brauche ich! Wenn ich mich nicht wohl fühle, kann ich Katrin doch auch nicht helfen!!!) Aber, wenn der Rolli meiner Freundin Schmutz mit hereinbränge, müsste sie dann für den Rolli zahlen???
Das deutsche Grundgesetz sagt dazu in Art. 3 Rn. 28-31 :
“Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.”
UN-Behindertenkonvention (UN-BRK), seit 26. März 2009 in Deutschland in Kraft äußert sich in…
Artikel 9 – Zugänglichkeit: (1) Um Menschen mit Behinderungen eine unabhängige Lebensführung und die volle Teilhabe in allen Lebensbereichen zu ermöglichen, treffen die Vertragsstaaten geeignete Maßnahmen mit dem Ziel, für Menschen mit Behinderungen den gleichberechtigten Zugang zur physischen Umwelt, (…) sowie zu anderen Einrichtungen und Diensten, die der Öffentlichkeit (…) offen stehen oder für sie bereitgestellt werden, zu gewährleisten. Diese Maßnahmen, welche die Feststellung und Beseitigung von Zugangshindernissen und -barrieren einschließen, gelten unter anderem für (…) 2. e) um menschliche und tierische Hilfe (…) zur Verfügung zu stellen mit dem Ziel, den Zugang (…) zu erleichtern;
Das ist viel schwer formuliertes Geschriebenes, aber es sagt aus…: ICH helfe, ich sorge auch schon jetzt dafür, dass Katrin überhaupt allein das Haus verlassen kann, weil sie sonst schwer stürzen, auf der Straße schlafen oder wegen der Symptome ihrer Krankheit sich sonstwie in Gefahr bringt und sie muss dann für mich auch noch bezahlen und bekommt nichts außer der Erlaubnis, mich mitzunehmen?
Das ist nicht fair, oder?
Ich darf ohne Probleme mit Bahn fahren, in Geschäfte gehen, in Krankenhäuser, aber in Hotels oder Unterkünften von airbnb gibt es Sonderauflagen?
Schade. Da würde ich es toll finden, wenn ein wenig mehr darüber nachgedacht wird, dass das irgendwie nicht passt…
Und da ich ja neben meinem Job auch noch ganz viel Freizeit und Spaß habe… Ist das dann nicht für alle toll??
Heute erzähle ich Euch, wie ich lerne, meine Freundin davor zu schützen, im automatischen Verhalten Dinge zu machen, die sie verletzen könnten.
Zuerst einmal musste ich überhaupt lernen, permanent darauf zu achten, wie es Katrin geht und wie fit sie ist. Das heißt, dass ich möglichst viel direkt an ihrer Seite bin.
Manchmal nervt das auch ein wenig, weil sie im Haus ja immer hin und her geht und ich dann jedes Mal mit musste. Ich bin nämlich gerne am Rumliegen und Schlafen. Daher muss ich nicht jede Sekunde mit ihr durchs Haus marschieren, sondern immer nur dann, wenn wir trainieren.
Freizeit habe ich sowieso viel, weil meine Freundin ja auch viele Stunden am Tag gar nicht richtig wach ist.
Aber ich habe gleich zu Anfang gemerkt: wenn sie an einem Tisch sitzt und plötzlich ihre Arme zur Seite sinken und ihr Kopf auf dem Tisch liegt… Das ist nicht richtig… Also habe ich ihr das schon beim ersten Mal gezeigt, indem ich ihre Hand anstieß und als sie nicht reagierte, ihr meine Pfote auf den Schoß gehauen (darin bin ich wirklich großartig, wenn ich etwas möchte :-D) und solange nicht nachließ, bis sie aufwachte und einsah, dass das Schlafen auf Stühlen nicht richtig ist.
Ich würde bei so einer Übung vermutlich herunterfallen, aber ich verrate Euch was… Katrin tut es auch!
Durch ganz viele Beobachtungen (und Lob, Klickerklicks und wirklich leckere Dinge, die aber viel zu klein sind :-o) weiß ich nun, wann etwas nicht mit meiner Freundin stimmt.
Dann lerne ich, dass ich sie wirklich bei jedem Überqueren einer Straße hindern muss, einfach drauflos zu gehen. Das heißt, ich schiebe mich zwischen meine Freundin und den Bürgersteig und blockiere sie. Ich bin nicht die größte Hündin der Welt, aber wenn ich nicht will, dass sie weiterläuft, dann lasse ich sie auch nicht. Dazu brauchte ich aber wieder etliche Klicks und besonders viele gute Minisachen, die ich mit einem Haps verschlinge.
In meiner gewohnten Umgebung klappt das supertoll und am Allerbesten finde ich es, wenn die Straße mir zeigt, dass ich das machen soll, weil sie Streifen hat oder auf der anderen Seite so ein Ding mit Männchen drauf ist.
Aber manchmal weiß ich das auch noch nicht. Wenn da keine Ministufe zur Straße ist und einfach alles gleich aussieht, muss mir meine Freundin manchmal auch noch helfen. Denn wenn sie beim Training langsamer geht, weiß ich sofort: „Auweia, gleich muss ich sie beschützen!“ Dann schaue ich kurz, von wo diese schnellen Dinger, die sie Autos nennt, herkommen können und hindere sie rasch am Weitergehen.
Aber… inzwischen weiß ich ja, dass die kleinen leckeren Dinger und die die Klicker viel besser sind, wenn ich selbst darauf achtgebe… Da strenge ich mich erst recht an, immer alles richtig zu machen.
Aber ich gebe es ehrlich zu…, wenn ich nicht arbeite, trödele ich am Liebsten hinterher und schaue mal hier und mal da… Aber dafür gibt es zu meinem Bedauern nichts Großartiges und Kleines, das sehr lecker schmeckt, …
Wie es weiter in meinem Training geht… seid dabei… nächste Woche!!!
Danke für Euer Mitlesen. Ich freue mich darüber!!!
Heute wollte ich Euch, wie angekündigt, erzählen, wann das automatische Verhalten für Katrin am Gefährlichsten ist. Ihr erinnert Euch, in „der Automatik“ schläft ihr Gehirn dann quasi ein, aber ihr Körper selbst macht mit dem, was er zuvor tat, weiter.
Gerade wenn Katrin unterwegs ist, sei es im Straßenverkehr, beim Zug fahren oder beim Spazierengehen, darf sie möglichst natürlich nicht schlafen.
So ist es ihr bereits, bevor ich bei Ihr einzog, passiert, dass sie einfach vom Bürgersteig auf die Straße lief, an Ampeln nicht auf das „grüne Männchen“ wartete, sie beim Spazierengehen vom Weg abwich und quer durch ein Gebüsch in Richtung eines Baches marschierte.
Beim Bahn fahren war meine Freundin einmal eigentlich nur auf dem Weg zur Toilette, als „der Schalter im Kopf“ von „wach sein“ zu „schlafen“ umstellte. Wie auch immer der Zwischenteil der Geschichte aussah, sie weiß es nicht, fand sich aber beim „Wach werden“ an einem Bahnsteig wieder, in einem Ort, den sie nicht kannte und ihre Bahn war nicht mehr da.
Und da bin ich, seitdem sie mich hat, ihre große Hilfe.
Ich trainiere, sie daran zu hindern, an jedem Bürgersteig, jedem Bahnsteig und auf jedem Weg „einfach so weiterzugehen“.
Das ist ganz schön schwer, da immer dran zu denken!
Wenn ich merke, dass Katrin müde ist, geht das ja fast von selbst, denn dann bin ich ohnehin schon völlig konzentriert. Im Training aber ist Katrin ja bestmöglichst wach und so vergesse ich schon das eine oder andere Mal, dass ich sie dann eigentlich mit meiner ganzen Energie aufhalten soll. (Manchmal hält sie mich dann ein bißchen 😉 ) auf. Dann machen wir erstmal eine Zwischenübung, damit mir wieder einfällt, dass ich ja eigentlich gerade „im Job“ bin und versuchen es dann wieder.
Nächste Woche erzähle ich dann von meinen Trainingsschritten, die wir Stück für Stück aufbauen, damit es mir Spaß macht, zu helfen, gleichzeitig meiner Freundin hilft und wir dadurch beide sicher und unversehrt durch unsere Welt kommen.
Heute erzähle ich Euch, warum es für meine Freundin so wichtig ist, dass ich sie überall hinbegleiten darf.
Ein Symptom der Narkolepsie heißt „automatisches Verhalten“. Das kann man sich quasi so vorstellen, dass Katrin eigentlich schläft, ihr Körper dies aber nicht mitbekommen hat und sie dann einfach mit dem weitermacht, was sie vorher tat. Nur meistens nicht besonders sinnvoll.
Das kann für Beobachter sehr irritierend sein, z.B. wenn sie gerade beim Einkaufen etwas aus dem Regal nimmt und dann plötzlich anfängt, die gesamten Waren, die dort stehen, in den Einkaufswagen zu packen. Oder sie läuft immer die Gänge auf und ab ohne zu stoppen.
Wenn ich merke, dass sie sehr müde ist, lege ich mich einfach hin und hindere sie damit am Weitergehen, weil sie ja quasi „an mir hängt“. Dadurch ist sie dann vorgewarnt. Ich kann mich auch vor sie setzen, um zu verhindern, dass sie an die Regale kommt.
Wenn sie zu lange in der Gegend herumsteht, stupse ich sie einfach an. Sonst kann sie da mit offenen Augen minutenlang zubringen. Deswegen ist es sehr wichtig, dass ich weiß, dass ich in Läden nichts anschnüffeln darf, immer an ihrer Seite bleibe und sie gut im Blick behalte.
Manchmal ganz schön schwierig, denn es riecht soooo lecker! Aber da bin ich inzwischen so gut wie immer Profi.
Ganz toll ist es, dass es in den Läden nie Probleme damit gibt, dass ich dort mit reinkomme. Im Gegenteil, dort, wo Katrin immer einkaufen geht, kennt man uns schon und alle Angestellten sind sehr lieb zu mir. Auch die anderen Kunden fragen selten nach, denn ich trage ja meine riesige Kenndecke, auf der steht, dass meine Freundin mich braucht.
Angst um die Hygiene der Lebensmittel muss ebenfalls niemand haben, wie das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft in einem Brief an die Stiftung Assistenzhund bestätigte.
So, nächste Woche berichte ich Euch dann, wo es für Katrin richtig gefährlich wird, wenn sie sich im automatischen Verhalten befindet und was ich dann bereits mache und in Zukunft noch lernen muss, um ihr zu helfen und sie zu schützen.
Ich freue mich auf Euch, Eure Nane
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