Narkolepsie und Schwangerschaft

Viele Betroffene fühlen sich im Bereich „Familienplanung“ verunsichert. Einmal besteht die Befürchtung, dass die pharmakologische Behandlung der Narkolepsie- Symptome einem heranwachsenen Kind schaden könnte, zum Anderen sind aber auch viele von Narkolepsie betroffene Frauen gerade auf diese Behandlung angewiesen, da ein Absetzen der Medikation diese Symptome wieder verstärken würde.

 

Bild einer schwangeren Frau, welche seitlich in einem Bett liegt und lächelnd die Hand auf den Bauch hält.

Hier eine kurze Zusammenstellung zur Thematik Narkolepsie und Kinderwunsch und Schwangerschaft, Geburt sowie die Zeit danachaus einer Veröffentlichung der EU-NN zum Thema . Der ganze Inhalt ist auf der Website der EU-NN zu finden (Link unten).

 

Risiken in der Schwangerschaft

Schwangere Narkolepsie-Patientinnen können mehr an Gewicht zunehmen, was sie einem höheren Risiko für einen gestörten Glukosestoffwechsel und Anämie aussetzt. Die Symptomintensität kann sich verändern, tatsächlich verschlechtert sie sich nach derzeitiger Kenntnislage bei 1/3 der Patientinnen. Sobald die Patientinnen erfahren, dass sie schwanger sind, sollten sie baldmöglichst ihren Facharzt kontaktieren und dort die Medikation mit dem Ziel besprechen, die Dosierung der medikamentösen Behandlung der narkoleptischen Symptomatik an die Schwangerschaft anzupassen. Diese sollte durch den Spezialisten entsprechend der Schwere der Symptome und dem Risiko, sich selbst oder das Ungeborene zu gefährden, gewählt werden. 

Ein komplettes oder abruptes Absetzen der Behandlung wird nicht empfohlen, wenn dies zu einer Selbstschädigung oder Gefährdung der Schwangerschaft führen kann. Das Nutzen/Risiko-Verhältnis sollte daher genau abgewogen werden. Diese Entscheidung muss mit dem Einverständnis und auf den Wunsch der vollständig informierten Patientin getroffen werden.

 

Schwangere Frau führt lächelnd Telefonat per Smartphone.

 

Vererbung der Narkolepsie

Das Risiko für einen Verwandten ersten Grades, an Narkolepsie Typ (NT1) zu erkranken, liegt bei 1-2%. Es ist damit 10-40 mal höher als in der Allgemeinbevölkerung.

 

Ärztin arbeitet an einem virtuellem Bildschirm

 

Weiteres zum Thema Schwangerschaft, Geburt, Medikation während der Stillzeit im Originalbeitrag hier (englisch): http://www.eu-nn.com/narcolepsy-and-pregnancy/

 

Informationen zur Medikation während der Schwangerschaft bietet Embryotox, das Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie der Charité-Universitätsmedizin Berlin, auf folgenden Seiten an:

Methylphenidat: https://www.embryotox.de/arzneimittel/details/methylphenidat/

Venlafaxin: https://www.embryotox.de/arzneimittel/details/venlafaxin/

Clomipramin: https://www.embryotox.de/arzneimittel/details/clomipramin/

Embryotox offeriert auch Beratungen zu Schwangerschaft und spezieller Medikation. Mehr dazu hier: https://www.embryotox.de/beratung/   

 

Ansicht des Oberkörpers einer schwangeren Frau im weißen T-Shirt, welche in der rechten Hand ein mit Wasser gefülltes Glas und in der linken Hand eine rote Kapsel hält.

 

 

 

 

 

 

Rote-Hand-Brief zu Modafinil widerlegt

Im Frühjahr 2019 hatte es Berichte gegeben, die vor der Einnahme von Modafinil während der Schwangerschaft warnten.

Forscher in Skandinavien haben nun mittels einer Studie die Annahme eines möglichen negativen Einflusses von Modafinil widerlegt. Die unter der Führung des Zentrums für Pharmakoepidemiologie*) am Karolinska Institut in Schweden ermittelten Ergebnisse zeigen, dass das Risiko für Fehlbildungen durch die Einnahme des Medikaments Modafinil nicht zugenommen hat. Fast zwei Millionen Schwangerschaften hatten die Forscher im Zeitraum von 2005 bis 2017 dafür untersucht.

*) Die Pharmakoepidemiologie befasst sich mit dem Arzneimittelgebrauch und (unerwünschten) Arzneimittelwirkungen in der Bevölkerung.

In einem Rote-Hand-Brief hatte das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) in 2019 u.a. den Verdacht geäußert, dass die Anwendung von Modafinil während der Schwangerschaft zu schweren angeborenen Fehlbildungen führen kann. Das Medikament hatte nach Meinung des BfArM daher während der Schwangerschaft nicht angewendet werden sollen. 

Das Narkolepsie-Netzwerk hatte bereits damals durch ein ein Gespräch mit Priv.-Doz. Dr. Kallweit auf die Zweifelhaftigkeit dieser Annahmen hingewiesen.

Weitere Informationen zur aktuellen Studie (in englisch) können hier nachgelesen werden:

https://www.eurekalert.org/pub_releases/2020-09/ki-ndd090120.php

https://medicaldialogues.in/psychiatry/news/modanifil-use-during-pregnancy-not-tied-to-increased-risk-of-fetal-malformation-jama-69225